Der
Weinbau von der Urzeit bis ins 20. Jahrhundert
Bereits die Kelten sollen in der La-Tene-Zeit (400 v. Chr.) im Gebiet
der heutigen Steiermark einen Wein aus der heimischen Wildrebe, der
Wildbachertraube, gezogen haben. Im Jahr 1580 wurde der Schilcher im
Weinbuch von Johann Rasch zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Seit
dem 16. Jahrhundert kommt er in allen Kellerbüchern der steirischen
Herrschaften und Klöster vor. Der innerösterreichische Weinhandel
florierte; über die „Weinstraße" und die „Weinebene"
der Koralpe führten die Transporte.
In
den unruhigen Zeiten der Völkerwanderung und der Awareneinfälle
ging der Weinbau äußerst stark zurück, wurde aber offensichtlich
nicht vollständig aufgegeben. Nur so ist es zu erklären, dass der
Weinbau bei der Neubesiedelung der Steiermark im frühen Mittelalter
gleich eine neue Blüte erlebte.
Im
Mittelalter gab es keine Weinsorten im heutigen Sinn, sondern nur
schlecht gepflegte und gut gepflegte Landweine.
Durch
eine Importsperre um 1240 wurde der Weinhandel im innerösterreichischen
Raum sehr gefördert. Dieses Verbot, Wein aus anderen Ländern zu
importieren, wurde von Rudolf I. von Habsburg 1278 erneuert und
Albrecht I. und Albrecht V. verschärften dieses Verbot noch.
Seit
dem 16. Jahrhundert war ein fortschreitender Abbau der Rebenkultur
zu beobachten. Dazu trugen aber nicht die Bemühungen der "St.Christophs-Gesellschaft"
bei, sondern die Türkern, die seit 1471 in wiederholten Einfällen
das Land verwüsteten.
Um
1517 veranlasste Landeshauptmann Siegmund von Dietrichstein, dass
die "St.Christophs-Gesellschaft für Steiermark, Kärnten und
Krain" zur Bekämpfung des übermäßigen Weingenusses ins
Leben gerufen wurde.
Zum
Rückgang des Weinbaues trug aber auch das Aufkommen der seit dem
16. Jahrhundert in den Städten und Märkten gewerblich betriebenen
Bierbrauereien bei.
Auch
die Qualität des Weines konnte zu dieser Zeit nicht verbessert
werden, da Bauern vor allem auf die Quantität achteten und die
Weingärten mit raschwachsenden und reichtragenden Sorten
regeneriert wurden.
Eine
jener widerstandsfähigen und reichtragenden Sorten war im
steirischen Raum die bodenständige Schilcherrebe.
Dass
die Spuren des Schilchers in den vergangenen Jahrhunderten entdeckt
werden konnten, ist einzig und allein seiner eigentümlichen, rötlich
schillernden Farbe zuzuschreiben, der er ja letztlich auch seinen
Namen verdankt. Man nannte ihn immer schon Schiller oder Schilcher.
Die
erste schriftliche Erwähnung des Schilchers findet sich im Weinbuch
des Johann Rasch aus dem Jahre 1580; einem der ältesten Weinbücher
in deutscher Sprache, das - obwohl Rasch in Wien lebte - in München
gedruckt wurde. Es enthält Regeln und praktische Vorschläge für
Weingartenbesitzer, Weinhändler und Wirte und bietet einen Überblick
über die damals bekannten Weinbaugebiete.
Im
17. Jahrhundert wurde der Schilcherstock im Eibiswalder Weingebiet
kultiviert. Zu jener Zeit fand der Schilcher in der Obersteiermark
immer stärkeren Absatz, und die Stadt Judenburg entwickelte sich zu
einem großen Weinumschlagsplatz.
Die
Zeit der Aufklärung ging auch an den Schilcherbauern nicht spurlos
vorbei. Unter Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Josef II. kam es zu
einer wirtschaftlichen Erholung, und somit brachen auch für den
Schilcher wieder bessere Zeiten an.
Von
großer Bedeutung ist das noch geltende Patent Josefs II. von 1784,
das Buschenschankgesetz, wonach die Besitzer eines Buschenschankes
selbst erzeugte Lebensmittel, unter denen besonders Wein und
Obstmost erwähnt werden, beliebig frei verkaufen können.
Nach
der Niederringung Napoleons 1815 begann die Wirtschaft wieder
aufzuleben. Über die Ausdehnung des Schilcherweinbaues wird
besonders die in den Jahren 1810 bis 1845 von Erzherzog Johann
veranlassten Bezirksschreibungen berichtet.
Die
Wildbacherrebe ist ein Kind der Weststeiermark. Sie wurde 1841 zum
ersten Mal klassifiziert. Erzherzog Johann war ein großer Förderer
des Schilchers. Mit Hilfe seines Verwalters Anton Neuhold konnte er
die erste Schilcherrebenschule der Weststeiermark errichten. Er ließ
über acht Joch Weingärten mit dem Wildbacher ansetzen. So
erreichte die Schilcherkultur um 1850 einen hohen Stand.
Als
1880 schließlich die Reblaus auftrat, kam es zu einem weiten,
vielfach katastrophalen Rückgang des Weinbaues, doch konnte die
Steiermark in der Bekämpfung große Erfolge erzielen. Da sich der
Rebschädling jedoch so schnell ausbreitete, wurde die Rodung der
Weingärten in den wichtigsten Befallsgebieten angeordnet.
Bereits
1885 aber konnte man wieder mit der Regenerierung der Weingärten
durch die Anpflanzung von Pfropfreben auf amerikanischen
Unterlagsreben beginnen.
Mit
den zunehmenden Absatzschwierigkeiten wurde auch immer deutlicher,
dass der Hybridenwein (Direktträger) in seiner minderen Qualität
eine schwere Belastung für den Verkauf der Edelweine wurde.
Das
Bundesgesetz vom 4. November 1936 sah nun die Rodung der Direktträgerweingärten
bis zum Jahre 1946, aber auch eine flächenmäßige Begrenzung des
Weinbaues in jedem Bundesland. Für die Steiermark waren 400 Hektar
zur Bepflanzung festgelegt.
Durch
den Zweiten Weltkrieg kam es nach zwanzig produktiven Jahren zu
einem neuerlichen Stillstand in der Förderungsarbeit. Die freie
Preisbildung wich der Verkaufs- und wenig später der
Ablieferungspflicht. Durch die Preisordnungen, die nach Güte
gesteigerte Preise vorsahen, kam es immerhin zu einer leichten
Verbesserung der Qualität.
In den 50er Jahren kam der Schilcher plötzlich aus der Mode, er wurde
als „nicht salonfähig" abgetan. Seit den 70er Jahren nimmt
der Schilcher einen kontinuierlichen Aufschwung. Dies dürfte auch
mit der Umkehr im Geschmackstrend der Konsumenten zusammenhängen.
Schilcher wird in der Weststeiermark von Ligist über St. Stefan,
Stainz Bad Gams, Wildbach, Deutschlandsberg, Schwanberg bis
Eibiswald angebaut. Die Schilcherweinstraße verbindet alle
Schilcherweinbauern der Weststeiermark zu einer attraktiven
Rundreise. Auch in Teilen der Oststeiermark ist der blaue Wildbacher
zu
finden,
doch sein typisches Bukett kann er nur auf den Gneis- und Schiefer-
Urgesteinsböden des weststeirischen Hügellandes entwickeln.
Mit
Beginn der siebziger Jahre trat in der Steiermark ein Schilcher
"Boom" ein. Vereinzelt kamen dann Roséverschnitte als
Schilcher auf den Markt. Diese ungesunde Entwicklung veranlaßte den
Gesetzgeber, mit der Weingesetznovelle 1976 Schilcher-Nachahmungen
zu verhindern.
Es besagt: als Schilcher dürfen nur Weine deklariert und verkauft
werden, die zu 100% aus der blauen Wildbachertraube gekeltert werden
und ausschließlich in der Steiermark gewachsen sind. Zusätzlich
gibt es die Schilcher- Schutzmarke mit dem Symbol des „weißen
Pferdes" die Qualität, Herkunft und Menge strengstens
kontrolliert.
So
dürfen heute Weine aus der blauen Wildbacher-Traube nur dann als
Schilcher bezeichnet werden, wenn sie aus der Steiermark stammen.
Warum diese Gebietsbeschränkung für den Schilcher nicht gleich einzig
und allein auf das weststeirische Anbaugebiet bezogen wurde, ist
vielen Schilcherliebhabern ein Rätsel.
Man wollte
damit der Tatsache Rechnung tragen, dass die Schilcherrebe auch in
den übrigen Weinbauregionen der Steiermark seit alters her eingeführt
ist - wenn auch nicht in dem Umfang wie in der Weststeiermark, und
wenn der Schilcher dort auch nicht sein typisches spritzig-fruchtiges
Bukett erreicht, denn dieses erreicht r nur in der Weststeiermark. |